Martialischer Adler in den Farben des Regenbogens

Sag es durch die Blume

Ein martialisch gestalteter Adler, dessen Krallen die Klinge eines Schwerts umfassen, darunter auf dem Sockel die Inschrift: „Unseren Helden 1914-1919 1939-1945“, wobei die Jahreszahlen nicht durch einen Bindestrich, sondern durch ein gradarmiges Tatzenkreuz verbunden sind, welches in ähnlicher Form als Wehrmachtssymbol gebräuchlich war – so, reichlich aus der Zeit gefallen, präsentiert sich das Kriegerdenkmal in Kalkar.

Der Aktionskünstler Wilfried Porwol hatte es im vergangenen Jahr einer pazifistischen Grundsanierung zugeführt: Der Adler wurde in den Farben des Regenbogens bemalt, der Sockel mit drei Slogans der Friedensbewegung versehen und die Inschrift selbst mit einem weißen Peace-Zeichen überpinselt. Für die Polizei, die sich mir dem Fall beschäftigen musste, war auch ohne Initialen des Künstlers schnell klar: Das war Wilfried Porwol! Gestern bekam der Künstler die juristische Abrechnung für seine Aktion, denn sie gilt als Sachbeschädigung. Das Amtsgericht Kleve verurteilte Porwol zu einer Geldstrafe in Höhe von 900 Euro.

Noch mal aber soll das nicht passieren können, wenn nun ein Bürgerantrag realisiert wird, mit dem sich die Kalkar Bürgermeisterin Britta Schulz und der Stadtrat beschäftigen müssen. Jannik Berbalk, vielen im Kleverland als einer der Namen hinter der Fridays-for-Future-Bewegung bekannt, fordert jetzt, dass das Denkmal abgerissen wird und stattdessen eine Erinnerungsstätte für die Opfer des Holocausts und des NS-Regimes ersetzt werden.

In der Begründung heißt es: „Das Kriegerdenkmal wurde Mitte der 1930er Jahre durch die NSDAP zu Propagandazwecken eingeweiht und diente somit nur zweitrangig einem Gedenken der Gefallenen. Es enthält eine Inschrift, welche auf eine Passage aus Hitlers ‚Mein Kampf‘ zurückzuführen ist. Es ist somit ein reines Denkmal der Menschenverachtung.“

  1. Die New York Times kann ich als Quelle für Rezepte nicht ernst nehmen

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Adi Lette

Das musste mal gesagt werden, in einem Punkt allerdings hätte ich Bedenken. Laut Kreisumlageverordnung müssen Bürgermeister, die nicht gleichzeitig Bademeister sind, in den Ratssitzungen keine Adiletten tragen.

Special Agent

Eine gute Darstellung des Sachverhalts, der Autor hat sein Handwerk wirklich gelernt.